Gleichstellung Frau & Mann in der Arbeitswelt

12.01.2023 Arbeitswelt & Karriere

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Am 25. September haben Volk und Stände die Reform AHV 21 angenommen – mit dieser Annahme hat sich vor allem für Frauen etwas geändert: das Referenzalter für die Pensionierung wurde auf 65 Jahre erhöht. Mit dieser Entscheidung wurde eine Ungleichheit zwischen Mann und Frau in der Arbeitswelt beseitigt, zum Nachteil der Frauen. Aber wie steht es sonst um die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt? Wie sieht die Aufteilung bei der bezahlten sowie unbezahlten Arbeit aus? In folgenden Blogbeitrag versuchen wir Antworten auf unsere Fragen zu finden. 

Bezahlte und unbezahlte Arbeit im Vergleich der Geschlechter

Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat 2020 den Bericht «Frauen leisten 50% mehr Haus- und Familienarbeit als Männer im Jahr 2020 – aber Männer legen zu» herausgebracht, basierend auf den Ergebnissen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung des BFS. In dieser Erhebung kam heraus, dass Personen, 15 Jahre und älter, im Jahr 2020 bei einer Gesamtbelastung von rund 46 Stunden pro Woche hatten. Bei Frauen wurde von diesen 46 Stunden pro Woche 28.7 Stunden für Haus- und Familienarbeit aufgewendet. Bei Männern waren es hingegen nur 19.1 Stunden. In Puncto bezahlter Erwerbstätigkeit sieht die Situation umgekehrt aus: Durchschnittlich gehen Männer ca. 25.3 Stunden der bezahlten Arbeit nach, bei den Frauen sind es nur 15.8 Stunden. Hierbei gilt zu bemerken, dass der Zeitaufwand von Männern für Familien- und Hausarbeit seit 2010 stetig zunimmt – 2010 lag der Durchschnittsaufwand noch bei 16.2 Stunden, 2016 bei 17.9 Stunden. Doch dieser Anstieg hatte nicht zur Folge, dass der Zeitaufwand von Frauen in gleich grossen Schritten reduziert wurde – nichtsdestotrotz ist zu vermerken, dass der Stundenaufwand bei den Frauen im Vergleich zu 2010 (27.9 Stunden) und 2016 (28.1 Stunden) nur minimal gestiegen ist. 

Grosse Unterschiede in Haushalten mit Kindern

In Paarhaushalten ist der Unterschied zwischen den zwei Geschlechtern erheblich. Während Frauen grundsätzlich einen etwas höheren Stundenaufwand haben (69.7 Std / Woche vs. 68.1 Std / Woche), zeigt sich vor allem in der Zusammensetzung dieser Stunden, dass eine Gleichstellung von Frau und Mann in Bezug auf unbezahlte Care-Arbeit sowie bezahlte Erwerbsarbeit noch lange nicht erreicht ist. In Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 15 Jahren beträgt für Frauen der durchschnittliche Zeitaufwand für Familien- und Hausarbeit 52.3 Stunden, für Erwerbsarbeit 16.1 Stunden und für institutionalisierte und informelle Freiwilligenarbeit 1.3 Stunden. Bei Männern in Paarhaushalten sieht die Aufteilung der 68.1 Stunden wie folgt aus: Haus- und Familienarbeit 31.7 Stunden, Erwerbsarbeit 35.4 Stunden und Freiwilligenarbeit 1.0 Stunden. Demzufolge leisten Frauen in Paarhaushalten pro Woche 20.9 Stunden mehr unbezahlte Arbeit.

Auch hier soll erwähnt werden, dass die Entwicklung der Mütter und Väter in Paarhaushalten seit 2010 unterschiedlich verläuft: Väter haben seit 2010 deutlich mehr in die Haus- und Familienarbeit investiert und weisen ein Anstieg von +5.2 Stunden pro Woche auf, während Mütter «nur» einen Anstieg von 1.2 Stunden pro Woche hatten. In der Erwerbsarbeit ist der Unterschied markanter: Während Frauen einen Anstieg von 2.7 Stunden verzeichnen, konnte bei Männern ein Verlust von 4.2 Stunden wahrgenommen werden. 

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Befragung zur Gleichstellung mit Fokus Erwerbsarbeit und unbezahlte Care-Arbeit

Aus der Erhebung des BFS ist klar ersichtlich, dass der Grossteil der unbezahlten Care-Arbeit von Frauen sowie Mütter übernommen wird. Im April 2021 wurde eine repräsentative Online-Befragung von der schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten SKG in Zusammenarbeit mit gfs.bern durchgeführt. Die Stichprobe umfasst 2'245 Personen zwischen 18 und 65 Jahren der gesamten Schweiz. Im Punkt «Aufteilung der unbezahlten Care-Arbeit» sind sich 82% der Teilnehmenden einig, dass Frauen mehr oder eher mehr unbezahlte Care-Arbeit leisten. Bei den befragten gleichgeschlechtlichen Paaren ist anzumerken, dass sie ihre Arbeitsaufteilung als fairer bewerten als gemischtgeschlechtliche Paare.

40% der Teilnehmenden haben auf die offene Frage «Was würden Sie sich für Ihre eigene Lebenssituation in Bezug auf Care-Arbeit wünschen?» geantwortet. Die Mehrheit der Männer gaben an, dass Sie zufrieden sind mit der aktuellen Situation (31.8%), gefolgt von dem Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst (20.2%). Bei den Frauen wünscht sich der Grossteil mehr partnerschaftliche Arbeitsaufteilung (27.4%), dicht gefolgt von Zufriedenheit mit der jetzigen Situation (26.6%). Nur 16.3% der Männer wünschen sich mehr partnerschaftliche Arbeitseinteilung.

Idee für die Gleichstellung bezüglich Care-Arbeit

Die Frage «Ganz allgemein gesprochen, was könnte man tun, um die Gleichstellung der Geschlechter bei der Care-Arbeit zu erreichen?» wurde von den Befragten mit einer Vielzahl an Ideen beantwortet in Bezug auf alle Bereiche – politisch, wirtschaftlich sowie gesellschaftlich. Die meistgenannten Vorschläge beziehen sich jedoch auf Wirtschaft sowie Politik. 46.5% der befragten Frauen wünschen sich Massnahmen auf der unternehmerischen Ebene, also die Anpassung der Arbeitszeitmodelle (Teilzeiterwerbsarbeit, Pensenreduktion auf Kaderstufe, Jobsharing usw.) oder Massnahmen beim Gehalt. Die Mehrheit der Männer (39.6%) sieht am meisten Potential in Massnahmen auf politischer / sozialstaatlicher Ebene – beispielsweise verbesserte Elternzeit oder Entschädigung der Care-Arbeit. Doch auch die Massnahmen auf gesellschaftlicher Ebene sind bei Frauen (35.6%) und Männer (25.7%) hoch im Kurs – beispielsweise Abbau von Geschlechterstereotypen oder die gesellschaftliche Anerkennung von Care-Arbeit. Die meistgenannte Massnahme ist die Förderung von Teilzeitstellen, die sich nicht negativ auf die Karrierechancen auswirken – sowohl für Männer als auch Frauen.

Wenn man die Ergebnisse des Berichts des BFS und die Befragung der SKG zusammen betrachtet, wird einerseits ersichtlich, dass die Mehrheit der Frauen mehr unbezahlte Care-Arbeit leisten, sich dessen bewusst sind und sich eine Änderung herbeiwünschen. Gerade die Zahlen des BFS Berichts macht ersichtlich, dass eine Gleichstellung der Geschlechter der Arbeitswelt noch nicht erreicht ist.

Quellenangaben
  • Bundesamt für Statistik - Frauen leisteten 50% mehr Haus- und Familienarbeit als Männer im Jahr 2020 - aber Männer legen zu

  • Equality.ch - Nationales Barometer zur Gleichstellung 2021 Fokus Erwerbsarbeit und unbezahlte Care-Arbeit

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